Gedanken zur Malerei

Armin Baumgarten
Der Künstler der Moderne mißtraute der Malerei und verlor den Glauben an sie. Nun misstraut der Maler dem Künstler.

Keine Kunst hat das Bild des Menschen so heftig zerstört wie die der Moderne. Das fragmentierte Bild, von der Massenkultur vereinnahmt, ist nun Wirklichkeit, Gewohnheit und Alltag. Unterstützt, an diesem Punkt angelangt, eine Bildzerstörung die Weltzerstörung?

Vielleicht ist jeder Mensch ein Künstler, aber nicht jeder ist auch ein Maler. Ganzheitlich, schön, unnützlich und abstrakt, wird das gemalte Bild zum außergewöhnlichen Bild.

Eine so verstandene Malerei ist ein transzendentes Prinzip, Sinnbild auf den Geist des Menschen.

Der Glaube an den Menschen und der Glaube an die Malerei berühren sich an einem tiefen Punkt.

Wenn die Transzendenz aus der Malerei verschwindet, verschwindet auch das Ideal des Menschen. Ich male, damit es durch Malerei den Menschen gibt. Indem ich die Malerei portraitiere, finde ich den Menschen.


Publiziert in: Armin Baumgarten, Ausstellungskatalog Künstlerhaus Meinersen, 1997.